Petra (26 Jahre)

Am meisten hat mich die Zeitzeugenarbeit beeindruckt.
In Anbetracht der Tatsache, dass die Menschen, die den Krieg selbst miterlebt haben, bald alle gestorben sein werden, finde ich es immens wichtig, ihre Erinnerungen für die Nachwelt festzuhalten. Natürlich muss Geschichte auch Fakten vermitteln, weniger in Form von Zahlen oder Daten sondern eher im Sinne eines übergreifenden Verständnisses der Auswirkungen der Vergangenheit auf die Gegenwart. Nichtsdestotrotz finde ich die Erinnerungsarbeit mit Zeitzeugen so wichtig, weil sie einen realen Eindruck von historischen Ereignissen vermitteln können. Sie geben den grausamen Ereignissen, die in einer abstrakten Beschreibung im Geschichtsbuch kaum vorstellbar sind, ein menschliches Gesicht.

Mir wird die Geschichte, die Luis - einer der Zeitzeugen, der als 14jähriger Junge die Bombardierung von Gernika erlebt hat - uns erzählt, immer im Gedächtnis bleiben. Besonders eine Stelle seiner Erzählung habe ich mir eingeprägt: Als er nach ein paar Wochen wieder nach Gernika zurückkehrte und zu einem Mann ihm Zug sagte, die Stadt sei bombardiert worden, sagte dieser ihm, er solle still sein und das nie wieder öffentlich sagen. Und für die nächsten ca. 40 Jahre konnte er nicht öffentlich darüber sprechen, was er erlebt hatte.

Ich muss gestehen, dass ich vor der Reise nach Gernika nur sehr vage Kenntnisse über den Spanischen Bürgerkrieg und die Bombardierung der Stadt Gernika durch die deutsche Legion Condor hatte. In Gernika mit Menschen aus verschiedenen Ländern Europas zusammen zu sein und am Beispiel des Spanischen Bürgerkrieges und der Stadt Gernika über Erinnerung zu sprechen hat mir dann klar gemacht, dass es eine Art europäischer Erinnerung gibt oder geben kann. Besonders eindrucksvoll zu spüren fand ich das während Marina Grasses Workshop zu "Transmission of Remembrance".

Obwohl wir eine altersgemischte Gruppe waren, war für alle Großeltern ein einschneidendes Erlebnis der Zweite Weltkrieg gewesen. Und wenn ich jetzt so darüber schreibe, wird mir erst klar, was daran eigentlich das Besondere für mich ist: unsere Großeltern standen auf feindlichen Seiten und wir sprachen gemeinsam darüber wie wir die Erinnerung an die historischen Ereignisse an die nachfolgenden Generationen vermitteln können. Wie wir erinnern können, um nicht zu vergessen und vor allem, damit so etwas nicht wieder geschieht.

Ich weiß nicht mehr, wer es war, aber einer der Bewohner von Gernika sagte zu uns Workshop- TeilnehmerInnen, dass, weil wir wichtige Arbeit für intergenerationelles Erinnern leisteten, seien ihre Herzen immer für uns offen und wir jederzeit willkommen. Das hat mich sehr beeindruckt, schließlich war die Mehrzahl der Teilnehmenden aus Deutschland, also dem Land, dass die Stadt bombardiert hatte.

Vielleicht erscheint dies mancher/m banal, schließlich leben wir im 21. Jahrhundert und die "Schuldfrage" ist (scheinbar) geklärt. Aber wenn das Ziel aller politischer Bildung sein soll, dass Auschwitz nicht noch einmal sei - um ganz bildungsbürgerlich mit Adorno zu sprechen -, dann finde ich, ist unser Workshop ein kleiner Schritt in diese Richtung gewesen.

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