Joel (22 Jahre)
Ich kam ohne jeglichen Bezug zur Thematik "remembrance" nach Gernika. Überraschend war also, dass Erinnerung für gewisse Leute enorm wichtig ist. Denn ich, als kritischer Geist, hatte den ganzen Workshop ein Gefühl, dass sich wie folgt umschreiben lässt: Erinnerung an vergangene, traumatische, tragische Ereignisse ist notwendig, und damit ist auch bereits alles zum Thema Erinnerung gesagt.
Denn viel spannender wäre die Erinnerung der Leute an ihre Überwindungs- und Verzeihungsstrategien. Ich denke nicht, dass ich aus den Erfahrungsberichten der Zeitzeugen spezifisch anderes LERNE als bei meiner vorgängigen Wikipedia- Lektüre über das Bombenmassaker. In beiden Fällen kann ich nur denken: schlimm. (und es ist blauäugig zu glauben, wenn jeder vom Krieg sagt, er sei schlimm, dann gebe es nie mehr einen. Alle kriegsführenden Parteien sind gegen den Krieg und für den Frieden. Um Ressentiments und damit auch Krieg zu verhindern ist Gesundheitsförderung und Wohlstand viel wichtiger. Ich bin aber auch im allgemeinen überhaupt kein Liebhaber von Erfahrungsberichten...
Zudem habe ich es aus (vielleicht übertriebener) Rücksicht unterlassen die wirklich spannenden fragen zu stellen. wie schaffst du es Spanier nicht zu hassen? etc. wie war's in den 50er? Du begegnest täglich Leuten die Franco verehren wie gehst du damit um?
Was ich aber schon gelernt habe und was mich durchaus beeindruckt hat, ist die Wichtigkeit von Erinnerung in Ländern, Gemeinschaften in denen traumatisierend Ereignisse stattgefunden haben. Und die Aussage: um zu verstehen was wir sind, müssen wir betrachten was wir oder unsere Vorfahren waren.
Allerdings hab ich eben einfach das Gefühl, dass dies eine Grundvoraussetzung ist. Und dass es eigentlich erst spannend wird darüber nachzudenken wie unsere Gemeinschaften am besten organisiert/gelebt werden könnten, wenn es eben keine relevanten holes of remembrance mehr gibt. Und dafür zu kämpfen, dass es keine holes of remembrance mehr gibt, erscheint mir als Schweizer, also aus einem Land ohne wirklich traumatisierende Ereignisse, als zwar sicher sinnvoll aber nicht spannend genug.Ich habe viel über Spanien gelernt, bzw. es wurde mir viel bewusster welche geschichtlichen, mentalitätsmäßigen Tendenzen in Spanien herrsch(t)en. Mein Bild von Spanien ist jetzt um einiges differenzierter als vorher. Die Teilnehmer waren ja vor allem deutsch. Und da sind die unterschiede zu Schweizern relativ gering. Spannend war deshalb vor allem der persönliche Austausch. Ich wurde also eher zum nachdenken über mein Leben, als zum Nachdenken über mein Verständnis von Ländern oder Europa angeregt.