Eve Rennebarth (32 Jahre)

Am eindrücklichsten bleiben die Begegnungen zurück, die sich nicht planen lassen, aber durch ein Treffen wie das NIGEL- Lernpartnerschaftstreffen im spanischen Gernica erst möglich werden:

Zwischen Fischsuppe und Dessert erfahre ich z.B., dass über die Verwicklung der Großeltern in den spanischen Bürgerkrieg in spanischen Familien offenbar genauso wenig gesprochen wurde wie in deutschen Familien über die Nazi-Zeit. Beim Gang durch die regennassen Strassen geht es um Unterschiede in der Aufarbeitung des Dritten Reiches in Ost- und Westdeutschland oder um Zeitzeugenarbeit in Dresden. Als spanische Zeitzeugen beschreiben, wie sie als Kinder die Erschießung von Angehörigen durch Francos Truppen oder die Bombardierung der Stadt miterlebten, erzeugt es eine fast schmerzliche Distanz, dass ich keine direkten Fragen stellen kann, sondern auf Übersetzung angewiesen bleibe.

Unerwartet auch der Besuch einer von Jugendlichen aus Gernica besetzten ehemaligen Waffenfabrik: Die Art und Weise, wie sich die Jugendlichen gewaltfrei, aber hartnäckig und sehr durchdacht für die Freigabe der Gebäude für kulturelle Arbeit einsetzen, hinterlässt bei uns allen einen bleibenden Eindruck. Diese Aktion oder auch die Arbeit von "Gernica Gogoratuz", die sowohl die Gestaltung von Erinnerungsorten wie dem Friedenmuseum in Gernica wie auch Gemeinwesenarbeit einschließt, scheinen mir am ehesten Antwort auf die, in einer stark theorielastigen Diskussion von einem der Jüngeren aufgeworfene Frage: Was bedeutet denn die Geschichte meiner Großeltern denn konkret für die Gegenwart und wie übersetze ich das Erfahrene ins Handeln ?

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